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Limp Bizkit in Düsseldorf

Also haben sich die Altmeister des Nu Metal einmal mehr die Ehre und am 16.08.2016 in Düsseldorf ein ausverkauftes Konzert gegeben. Für alle, für die Limp Bizkit vor ihrer Zeit waren (eigentlich schwer vorstellbar, aber man weiß ja nie) und die mit dem Begriff „Nu Metal nichts anfangen können, hier einmal die wichtigsten Infos vorab:
Nu Metal bezeichnet einen Crossover aus anderen Musikrichtungen mit Metal. Entstanden ist das Ganze in den 90er Jahren und die bekanntesten Bands dieser Musikrichtung dürften zweifelsohne Papa Roach, Linkin Park und eben Limp Bizkit sein. Alle drei Bands ließen Elemente des Rap und Hip Hop in ihren Stil miteinfließen, wobei sich bis heute hiervon eigentlich nur Limp Bizkit treu geblieben sind. Gleichzeitig versteht es auch keine mir bekannte Band so gut, das Gefühl, welches Hip Hop übermittelt, beizubehalten und gleichzeitig derart mit brachialen Riffs, dröhnenden Bässen und einem plötzlich sehr, sehr stimmgewaltigen Fred Durst auszuteilen. Wird eben noch locker und groovig darüber gerappt, dass ihm alle mal am Arsch lecken können, schalten die Jungs spätestens im Refrain auf Volldampf und untermauern das „Fick dich!-Gefühl“ nur noch mehr.
Selbstverständlich ist das nicht alles, was Limp Bizkit können. „Behind Blue Eyes“ sollte eigentlich auch noch jedem ein Begriff sein und ist das einfachste und bekannteste Gegenbeispiel. Dennoch zeichnet diese Band eben jener Crossover aus. Es ist nun mal eine Band der 90er und – verdammt nochmal! – die Bands zu dieser Zeit schlugen richtig ein und trafen auf eine riesige Menge frustrierter Teenager, so scheint es heute. Folglich steht Limp Bizkit für mich immer für ein „Leck mich! Ich mache, was ich will!“.

Wenn man also auf ein solches Konzert mit entsprechenden Erwartungen geht, stellt sich schnell mal die Frage, wer wohl als Vorband gebucht wird? Erst am Merchstand erfuhr ich den Namen. „Serum 114“. Mein Kopf konnte keine Verknüpfung herstellen, also ließ ich mich überraschen. Und wenn ich auch gleich das ein oder andere zu meckern haben sollte, so verspreche ich euch eins: Den Namen merke ich mir und ihr solltet das auch!
Eine vierköpfige Band, bestehend aus jungen Burschen an bekannten Instrumenten (Gitarren, Schlagzeug, Bass). Das Intro akustisch, mit einer Trompete wie aus einem Western. Stimmungsvoll, definitiv. Anschließend, ebenfalls rein instrumental, eine Version von Beethovens „Ode an die Freude“ der Band selbst. Das ist dann doch schon ein Versprechen, welchem man nachkommen sollte! Also warte ich gespannt auf die Vocals, denn die Instrumente beherrschen die Jungs. Und tatsächlich – damit hätte ich niemals gerechnet! Dieser vom zweiten Wellenbrecher aus unscheinbar erscheinende junge Typ mit Hut klingt live exakt wie Campino (Sänger der Toten Hosen)! Jetzt habe ich Spaß!
In der Folge geben die Jungs richtig Gas, heizen das Publikum mit vollem Elan an und geben alles. Leider sind Düsseldorfer schwerer zu beeindrucken und eine vier-köpfige Punkband ist vor Limp Bizkit auch nicht unbedingt das Ideal zum Einheizen. Als dann jedoch Sänger und Gitarrist „Esche“ in der Menge untertaucht, fröhlich seine Runde zieht und per Crowdsurfing zurück zur Bühne findet, ist es endlich geschafft. Der erste Poggo Pit ist zu sehen.
Zum Ende folgt die Menge dann auch artig den „Hinsetzen!“-Rufen der Band und rastet beim Aufspringen das erste Mal kollektiv aus. Gute Arbeit, Jungs! Wenngleich der Sound nicht optimal abgestimmt und daher etwas anstrengend für die Ohren war. Und obwohl manch einer neben mir euch dennoch schlecht oder „zu überheblich“ fand. Ich bleibe dabei: Wer die Jungs bisher noch nicht kannte, darf sie sich merken. Vier Frankfurter, die in die Fußstapfen der „Hosen“ oder auch „der Broilers“ treten werden. Bandpage

Dann endlich kündigt „Andy Gibb – I want to be your everything“ den Hauptprogrammpunkt des Abends an. Erneut ein Versprechen; mehr noch! Eine Liebeserklärung an die Fans. Und so starten die Ikonen denn direkt mit einem echten Brecher und peitschen die Menge mit „Rollin'“ an. Der Saal tobt schnell, wenngleich auch nicht sofort bis in den letzten Winkel. Mich selbst erwischt es dann in vollem Umfang bei „Hot Dog“. Einer, von zwei Songs, die ich unbedingt hören wollte (Neben den drei Größten, selbstverständlich!). Und auch „eat you alive“, der andere Wunschsong meiner Liste, wird gespielt.
Ich bin zufrieden, sehr. Die Menge ist es auch. Sie springt mit jedem Takt, mit jedem Beat mehr und gibt sich der Party und dem Wahnsinn hin. Denn wie erwähnt, niemand schafft diese Mischung so gut, wie die fünf Altrocker auf der Bühne. Fred Durst ist immerhin mittlerweile 46! Doch die Spuren des Alters versteckt er gut unter einem Anglerhut und hinter einem dichten, imposanten Vollbart. Wes Borland im weißen Anzug und mit weißer Maskerade ist wie immer nicht nur interessant für’s Auge. Nach wie vor ein Ausnahmemusiker, meiner Meinung nach. Nicht, weil er besonders technisch anspruchsvoll oder dergleichen wäre. Davon habe ich ohnehin keine Ahnung. Er ist für mich ein Ausnahmemusiker, weil er die Seiten auf exakt die richtige Art anschlägt und sein Effektpedal optimal zu nutzen weiß. Er und Fred Durst machen nun mal Limp Bizkit aus. Der Eine sorgt für den nötigen Groove und die Magie auf der Bühne, der Andere vertritt die Mir-Egal-Einstellung, während er mit Kehlkopfstimme rappt und mit brachialer Gewalt brüllt.
Entsprechend ist es auch wenig verwunderlich, dass es überhaupt nicht stört, dass von der ursprünglichen Besetzung an dem Abend nur noch John Otto am Schlagzeug übrig ist. Am Bass ist ein Berliner. Samuel G. Mpungu (Quelle). Dann ist Sam Rivers eben nicht dabei. Limp Bizkit leben dennoch und die Fans feiern sie! Und Limp Bizkit feiern ihre Fans. Das sagen sie nicht nur, das zeigen sie auch eindrucksvoll. Fred Durst selbst begiebt sich also von seinem hohen Ross und mischt sich unter das gemeine Volk, um mit ihm zu feiern. Das „livin‘ it up“ plötzlich unterbrochen wird fällt gar nicht auf. Geschickt wird, wie schon zuvor, eine Bridge durch Wes Borland im Besonderen in die Länge gezogen, bis das Spotlight plötzlich auf die Tribüne leuchtet und der Mann mit dem Anglerhut den Pit für das Finale des Songs erneut anheizt. Schließlich wird noch mit den Fans zu „turn down for what“ von Lil Wayne getanzt, ehe es zurück zur Bühne geht. Die Stimmung kocht.
Nun weiß ich jedoch nicht, ob ich vielleicht einfach zu alt geworden bin oder es tatsächlich am Sound lag. Man mag mich spießig nennen, doch ich besuche relativ regelmäßig Konzerte und seit dem Auftritt von Nevermore (als Vorband zu Disturbed), war kein Konzert so unangenehm laut wie das gestern. Entsprechend hörte ich ab der Hälfte alles dumpf und verfolgte irgendwann das Konzert von der Vorhalle aus. Ohne Party, ohne Wahnsinn. Sozusagen ungeschminkt. Und so überlege ich denn, was mein Fazit ist.
Fast 50€ hat die Karte gekostet. 7.500 Fans sind zusammengekommen. Alte, wie neue. Entsprechend geht die Altersspanne von 16 – 40 im groben Durchschnitt. Entsprechend ist die Wut vergangener Tage abgeklungen. Entsprechend ist das Konzert weit entfernt von Limp Bizkits hoch Zeiten. Aber ist es deshalb schlecht? Nicht empfehlenswert?
Ich habe die Jungs 2009, wie auch 2013 bei Rock am Ring und Rock im Park gesehen. Die oft bemängelten, langgezogenen Spielpausen und Unterbrechungen habe ich „damals“ auch erlebt. Daran hat sich nichts geändert, denn es gehört dazu. Sie machen Stimmung, geben die Gelegenheit zum Durchatmen oder bereiten einfach nur das Finale des gespielten Songs vor, sodass man sich nochmal sammelt, bevor man zusammen ausratet. Zugegeben klaut es Spielzeit, doch einfach nur seelenlos vor sich hinspielen wäre schlimmer. Das Fred Durst dennoch das Publikum anpöbelt (siehe auch) werte ich als Teil seiner Show, eine Aufmachung. Er ist der Pöbelrocker und hat schon immer alles und jeden beleidigt. Wenn er also das Publikum „beleidigt“, ist es nicht mehr als Show und Witz. Denn Limp Bizkit machen wieder und wieder deutlich, dass sie die Fans lieben.
Auch der Aufruf „what do you wanna hear?“, ist nicht etwa Verzweiflung, wie es in einem Konzertbericht zum Open Flair heißt (Link), sondern Teil der Show. Es leitet ein Cover von „George Michael – Faith“ ein. Und siehe da, die Menge versteht den Witz und feiert weiter ausgelassen! Fred Durst würdigt das mit einem „what the fuck is wrong with you?“, bevor „take a look around“ das große Finale einläutet, welches ich mir dann auch nicht mehr nehmen lasse.
Was also soll das Fazit sein? Die „Stones“ rocken nicht mehr wie 1970, AC/DC benötigen einen Gastsänger und Lemmy oder Ozzy Osbourne bräuchten Untertitel. Bei allen genannten Künstlern ist das für die Kritiker okay und wird hingenommen. Zugegeben liegen zwischen Limp Bizkit und den genannten Künstlern auch nochmal zwei, drei Jahrzente, aber es dient hier ja auch nur einer Hyperbel. Denn die Generation von einst ist heute nicht mehr wütend. Sie ist alt geworden, sesshaft und dick. Es geht nicht mehr um Protest, es geht um die alte Zeit. Und Limp Bizkit rocken im Nu Metal immer noch wie kein Anderer! Sie bleiben sich selbst treu und machen was sie wollen. Damals, wie heute. Die Fans lieben und verstehen es. Vielleicht sollten das die Kritiker auch tun.

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