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Album Review: Periphery III

Periphery – Periphery III: Select difficulty

Nur ein Jahr nach dem genialen Doppelalbum „Juggernaut“ haben Periphery also ihr neuestes Werk präsentiert. Nun muss ich sagen, dass ich, obgleich ich das Album direkt vorbestellt hatte, sehr zweifelnd an die Sache ging. Kommt es doch viel zu oft vor, dass nach dem Album einer Band erstmal ein, bis zwei schwächere folgen.

Handelte es sich bei „Juggernaut“ noch um ein – und zugleich das erste – Konzeptalbum dieser sechsköpfigen Musikkapelle, präsentiert sich Periphery III als 11-Track-starkes „Standard-Album“. Wobei man bei Periphery im Allgemeinen nur schwer von Standard sprechen kann. Denn auf ihrer musikalischen Reise, hat sich die Band enorm entwickelt.

Das gleichnamige Debutalbum spielte mit vielen Spannungen und Disharmonien, aus welchen die melodischen Parts um so mehr herausbrachen. Dennoch, gerade rückwirkend, konnte man hören, dass die zuvor rein instrumentale Gruppe mit den nun integrierten Vocals noch nicht so viel anzufangen wusste. Wenngleich Sänger Spencer Sotelo sich großartig in den dröhnenden und deutlich hörbar durch Meshugga beeinflussten Sound einfand. Der zugleich „mathematische“ Sound hier und da rundete das Jambre schließlich ab und man ordnete die Musik im „Djent-Metal“ ein.

Das zweite Album „Periphery II: This time it’s personal“ war bereits melodischer. Besonders die am Computer erzeugten atmosphärischen Outros erzeugten regelmäßg eine Gänsehaut. Doch es war bereits etwas weniger „djentig“ und dafür kamen ein paar Elemente des „Metalcore“ hinzu.

Das Doppelalbum „Juggernaut: Alpha“ & „Juggernaut: Omega“ präsentierte schließlich noch mehr Rafinesse. Vergleichbar mit einem Musical wiederholten sich hier instrumentelle Themen, ebenso wie ganze Textpassagen. Die Charakterentwicklung war überdeutlich durch eher melodische Tracks auf Alpha, bis hin zu den harten und „unbarmherzigen“ Tracks gegen Ende von Alpha, doch besonders auf Omega zu finden. Der Zwiespalt des Charakters findet schließlich im Track „Omega“ seinen Höhepunkt und ich verspreche jedem Metalfan Gänsehaut, wenn er oder sie (oder „es“ in 2016) nach der wilden Reise der beiden Alben endlich bei diesem Punkt angekommen ist. Ganz klar: „Djent“, aber auch mehr. Vielleicht ein wenig „Progressive“?

„Periphery III“ hatte also keinen leichten Stand, obgleich der ausgefeilten Genialität des Vorgängers. Doch mit einer Selbstverständlichkeit, wie ich sie nur von wenigen Bands kenne, verändern Periphery erneut leicht ihren Sound und schaffen es so, sich erneut in meine Top Alben des Jahres ganz weit nach oben zu spielen.

So hat das Album insgesamt erneut am klassischen „Djent-Metal-Sound“ eingebüßt und gewinnt dafür an „Progressive-Metal-Elementen“ hinzu. Dies wird bereits bei dem Gitarrensoli des ersten Tracks „The Price Is Wrong“ deutlich. Hier schaffen die beiden Gitarristen Misha „Bulb“ Mansoor, Mark Holcomb und Jake Bowen einen mehr atmosphärischen Sound zwischen den dröhnenden Bässen von Adam „Nolly“ Getgood und sonst typisch schnarrenden Riffs.

Selber Track war jedoch zugleich Grund meines Zweifels. Sehr hart, keine Clear Vocals. Die Melodik des Refrains erst bei zweitem Hinhören deutlich erkennbar. Lediglich das erwähnte Gitarrensolo schürte Hoffnung. Doch wenn nun jedes Lied diese Linie verfolgen würde?

Zum Glück kam dann auch recht schnell „Marigold“. Bisher einziges Lied des Albums mit einem Video. Zugleich ist es Sinnbild für die Neuerungen im Vergleich zu den Vorgängern. Die Streicher zu Beginn und während des Songs tauchen noch in zwei weiteren Tracks („Absolomb“ & „Lune“) auf und waren derart noch nicht eingesetzt worden.

Zweite Neuerungen sind die ausgereifteren Drumbparts von Matt Halpern. Die Double Bass kommt häufiger zum Einsatz, immer wieder finden sich nun „Blastbeats“ ein (die Double bass wird versetzt zu Snare und/oder Toms gespielt, was einen maschinengewehrartigen Sound erzeugt). Aber auch die tiefen Toms finden in den ruhigeren und melodischen Momenten als optimale Unterstützung der Gänsehautatmosphäre eine neu gespielte Anwendung.

Allen voran natürlich im überragenden „Absolomb“, welches definitiv der Highlighttrack des ganzen Albums ist. Der Kern des Songs entstand bereits 2010. Zu dieser Zeit gab es vermehrt instrumentale Stücke, da die Band – wenn überhaupt – noch mit häufig wechselnden Sängern zusammengearbeitet hat. Diesen Song hat die Band also auf Anmerkung von Spencer hin neu aufgearbeitet. Eine weitere Premiere, denn bisher wurden noch keine alten Stücke verwendet. Entsprechend sind die Vocals hier neu hinzugekommen, ebenso aber auch erneut die eingespielten Streicher. Diese bilden dann auch im Speziellen den heimlichen, knapp zwei minütigen Höhepunkt im Outro.

Zu diesem Outro gesellt sich noch ein weiteres im Kontext. Zuvor nämlich in „The Way The News Goes“ entlässt uns ein Klavier aus der Mischung aus Blastbeats, stimmungsvollen Riffs und dem träumerischen Gesang. Das ist nicht nur stimmig, sondern bereitet gemeinsam auf den letzten Track „Lune“ vor.

Hatte man zuvor bereits Gänsehautattacken (und dafür garantiere ich, wenn man Ruhe hat, die Musik auf sich wirken zu lassen!), intensiviert sich dieses nochmals zum Schluss. In einer wunderschönen Metalballade finden wir eben die angespielten und ausgespielten Melodien der Outros wieder. Erneut durch tiefe Drumparts und emotionalen Gesang unter die Haut getrieben, rücken die Gitarren in den Hintergrund (was bei Periphery sehr selten ist) und lassen das Gesamtbild wirken. So gehören die letzten Töne wieder den Geigen, die dem Hörer auch noch nach dem Ausblenden im Kopf bleiben werden.

Fazit: Periphery hatten nur einmal ein Album, auf welchem ich wirklich jedes Lied mochte (Periphery II). Auch auf dem neuen Werk finde ich persönlich schwächere und stärkere Songs (Flatline überspringe ich z.B. fast immer). Das Faszinierende ist jedoch, dass sich diese Band derart über die Jahre gesteigert und entwickelt hat, dass ich die „“langweiligen““ Lieder vor ein paar Jahren vermutlich gefeiert hätte. Aber das ist okay. Periphery verdienen ihre Qualität für mich eben durch diese Prunkstücke der letzten beiden (oder drei, wenn man es genau nimmt) Alben. Denn dieser werde ich weder irgendwann überdrüssig, noch kenne ich eine andere Band, die hierdurch vergleichbare Wogen an Glücksgefühl und träumerhaften Emotionen in mir hervorruft (ja, lacht nur! Ich kann es anders nicht beschreiben).

Darüber hinaus erlangen viele der zuvor verschmäten Songs erst durch wiederholtes Hören an Bedeutung. Plötzlich beginnt man Feinheiten herauszuhören. Entdeckt neue Riffs, die dann doch wieder mehr zu „Djent-Metal“ gehören (Stichwort: „Remain Indoors“) oder genießt die neuen Seiten, die Periphery an sich und ihren Gitarren gefunden haben.

Denn erneut hat diese Band genau das gemacht, was ihr Spaß macht: Musik. Und das klingt neu und gleichzeitig vertraut. Es ist kein plötzlicher Stilwechsel wie einst bei Linkin Park (um ein krasses Beispiel zu nennen), sondern eine wunderbare Mischung. Und so ordne ich sie jetzt Kategorisch in „einzigartig“ ein und empfehle dieses Album, diese Band und jedes ihrer Konzerte auf’s Wärmste jedem Metalfan.

Wer reinhören oder es einfach gleich kaufen will, kann das hier tun.

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