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Konzertbericht: Massendefekt in Bielefeld

Massendefekt haben für mich einen besonderen Stellenwert. In einem sehr miesen Jahr haben mir u.a. „Wellenreiter“ und „dieser Weg“ viel Kraft geschenkt. Entsprechend freute ich mich, als feststand, dass ich für kompott.org auf dem Konzert im bielefelder Forum am 11.11.2016 vor Ort sein würde.

Ein Wort zur Location

Jahrelang hatte ich keine Ahnung vom Forum. Doch jetzt war ich bereits zum zweiten Mal dort „zu Besuch“ (erst Heisskalt, dann Massendefekt). Was soll ich sagen? Das Forum hat es mir angetan & ich halte bereits die Augen nach zukünftigen Konzerten dort offen.

Der Grund ist einfach. Es ist klein, sodass man schnell eine intime Atmosphäre verspürt und obendrein auch in den hinteren Reihen noch eine sehr gute Sicht hat. Für „Menschen-mit-natürlichen-Sichtproblemen-aufgrund-ihrer-Körpergröße“ (so sagt man das hoffentlich politisch korrekt!) bietet sich auch die Treppe als Podestersatz an.
Nervige Säulen oder Plätze direkt vor allesverdeckenden Boxentürmen sucht man vergebens. Freie Sicht also für die Rockermeute!

Des Weiteren sind die Preise wirklich fair. Der Aufpreis der Abendkasse betrug gerade mal 2€, Bier ist bereits ab 2,50€ erhältlich und die Garderobe kostet nur 50 Cent! Da trinke ich ruhigen Gewissens auch gerne, was mein Durst hergiebt.

Die Toilette wurde von den Besuchern stilecht mit Bandsstickern beklebt, von denen ich noch nie zuvor gehört hatte. Alles funktioniert und Seife gibt es auch genug.

Habt ihr also einen Konzertbesuch im Forum Bielefeld vor euch, könnt ihr euch auf einen gelungenen Abend freuen.

Die Vorband: Steen

 Als Support gab es deutschen Rock aus Düsseldorf. Die vierköpfige Band besticht mit hoher Qualität. Immer mal wieder werden die Lieder atmosphärisch aufgeladen. So findet man z.B. die derzeit sehr beliebten, schnell gespielten Saiten der Gitarre, welche mit ordentlich Hall unterlegt werden. Spannend klingt es dennoch, da es wuchtige Zwischenspiele gibt, die hierzu nicht nur im Kontrast stehen, sondern herrlich selbstverständlich miteinander vermischt werden.

Die volle Stimme des Sängers passt perfekt ins musikalische Gebilde und so findet sich nun eine weitere EP einer sehr vielversprechenden Band in meiner Sammlung. Einziger Kritikpunkt bleibt der, dass Steen live noch einmal deutlich besser und mitreißender sind, als auf besagter Liedersammlung. Aber da meckere ich schon wirklich auf sehr hohem Niveau.

Zusätzlich konnten Sie bei mir Sympathiepunkte sammeln, da zwischen den ersten Songs die Ansage lautete:“Nein, ist okay. Ihr müsst wirklich nicht klatschen! Wir sehen einfach in eure Gesichter und ich kann sehen, dass es euch gefällt. Mehr brauchen wir nicht.“ (wohlbemerkt gab es dennoch Applaus, wenn eben aber noch verhalten)
Das war eine ehrliche und sehr angenehme Art um mit dem berüchtigten „Zaunpfahl zu winken“. Warum denn nicht mal eine breite Brust zeigen als Vorband? Erstrecht dann, wenn die Qualität stimmt!

Gänsehaut trifft Chaostheorie

 Schließlich waren Massendefekt selbst an der Reihe, die gut aufgewärmte Meute endlich zur Schnappatmung zu zwingen. Es dauerte auch nicht lange, bis sich der Pit öffnete und nach Leibeskräften Pogo getanzt wurde.

Der gut abgestimmte Sound an dem Abend half dabei, die musikalische Begleitung optimal herauszustellen. So konnte ich mich in Ruhe zurücklehnen und genießen. Denn anders als beispielsweise im Progressive Rock/Metal finden wir bei Massendefekt keine obskuren Spielereien mit Spannungen oder Disharmonien, detailverliebte Gitarrensoli oder raffinierte Drumparts. Dadurch wird es – meiner Meinung nach – umso wichtiger, dass kein Ton verloren geht.

Nach eigener Aussage spielen Massendefekt „Punk & Roll“. Und guter Punk lebt von mitreißenden Aussagen, eingängigen Melodien und ordentlich Tempo. Darin wiederum verstehen sich die vier Düsseldorfer hervorragend.
Wer die Band kennt, weiß, dass sie insbesondere mit Texten aus dem Leben bestechen. Gesellschaftskritisch, emotional, persönlich und mit hohem „Mitfühl-Potential“. Wer nicht am toben und springen war, der genoss die mit den einzelnen Liedern verbundenen Erinnerungen und Emotionen.

Unter Letzteren fand ich mich wieder. Ich ließ noch einmal melancholisch das düstere 2013 an mir vorbei ziehen. Erinnerte mich an die wütenden Fußmärsche zu der Zeit, als ich weder Auto, noch Fahrrad besaß und meine Lieder stumm in den Himmel brüllte. Fühlte die Energie, die mir „der Weg“ gab ebenso sehr, wie die Zuversicht und den Mut, weiter zu gehen, die ich in „Wellenreiter“ fand. Genau dadurch wird ein Konzert für mich zu etwas Besonderem.
Kein Wunder also, dass sich das Publikum mit Leichtigkeit auf die ausgewogene Mischung aus alten und neuen Liedern einließ.

Immer mal wieder nutzte Sänger Sebastian Beyer Spielpausen und Zwischenspiele um das Publikum mit einzubeziehen. Neben dem Klassiker „wer brüllt lauter?“ wurde auch eine Dame aus dem Publikum gefischt und ihr dank erfolgreichem Crowdsurfing zum Merchstand und zurück – bevor der gespielte Song endete – ein T-Shirt geschenkt.

Den Wehrmutstropfen des Abends – das absehbare Ende – wurde geschickt Basser Mike in die Schuhe geschoben. Daraus ergab sich ein eifriges „Buh“, welches „Sebi“ noch unterstrich, indem er sich selbst vom Publikum feiern ließ. („Einmal für Mike?“ – Buuuuuh! – „und einmal für mich? – Yeeeaaahhhh!)

Beide Bands standen nach dem Konzert am Merchstand noch Rede- und Antwort. Gerade für mich immer wieder ein großer Pluspunkt. Zumal ich endlich einmal das lange überfällige „Danke für eure Musik“ aussprechen konnte.

Fazit

 Halten wir es kurz. Location? Sehr sympathisch! Vorband Steen? Sehr talentiert! Highlight Massendefekt? Immer wieder!!

Ticketpreise betrugen keine 25€. Wer die Band selbst einmal live erleben möchte hat aktuell noch die Chance dazu.
Tourtermine findet ihr hier, Tickets gibt’s wie immer über Eventim hier.
Hier findet ihr die Homepage von Steen, sowie ihre Facebook-Seite.

Was haltet ihr von Steen? Seht ihr ebenfalls potential oder klingt das für euch eher nach 08/15?
Welche Erfahrung habt ihr eigentlich mit Vorbands? Wurdet ihr schon einmal richtig überrascht? Schreibt eure Meinung und Entdeckungen gerne in die Kommentare!

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