Skip to content

Konzertbericht: Being As An Ocean / Burning Down Alaska / Capsize in Hannover

Being As An Ocean habe ich irgendwann mal beim Stöbern im Media Markt entdeckt. Sie sind mir besonders durch die Mischung aus Härte und Melodik, sowie teils gesprochene Textpassagen aufgefallen. Letztere legen brilliante Druckpunkte, die man durch keine Shoutings der Welt derart unter die Haut treiben könnte.
Wenig verwunderlich also, dass für mich ein Konzertbesuch außer Frage stand. Bemerkenswert jedoch, dass am 21.11.2016 im „Chez Heinz“ zwei Supports im Gepäck waren, die ohne Probleme selbst Headliner des Abends hätten sein können.

Ein Wort zur Location

Im Hinterhof eines Schwimmbads führt eine kleine, unauffällige Treppe hinunter in die „Höhle des Löwen“. Im großen Raum, in welchem man augenblicklich landet, springen direkt mehrere Punkte ins Auge: Es ist klein, die Bühne ist kaum erhöht und auch nicht abgesperrt und es gibt leider vier starre Säulen, die die niedrige Decke stützen. Vielversprechend, da ich bereits aufgrund der Bands eine sehr intime Atmosphäre erwartet habe, die durch die Gegebenheiten dann tatsächlich nur weiter begünstigt wurde.

Gegenüber der Bühne befindet sich die Bar, deren Preise ähnlich zu denen des Forum und somit absolut moderat sind. Das Pfandsystem wird durch entsprechende Pfandmarken unterstützt. Intelligent, da man sich die Erklärungen spart.
Auch die Abendkasse ist mit 25€ wunderbar fair (VVK 23,70€). Die Garderobe nimmt standardisiert 1€.

Ein zweiter Raum gibt den Rauchern ihren Platz, sich frei zu verqualmen. Ein Kicker lädt zusätzlich zum Zeitvertreib ein. Derlei Fairness gegenüber beiden Parteien sorgen für entspannte Metalheads und eine gute Bewertung.

Kurioser Weise ist das Highlight des Abends jedoch dem Männerklo vorbehalten. Alles ist sauber! Kleber sucht man vergebens und es duftet auch zu später Stunde noch überraschend angenehm (wie auch immer „Chez Heinz“ das geschafft haben!). Das Pissoir ist ein gekacheltes Becken (die schönen hellen Blautöne, wie man sie von Oma kennt) und das linke Waschbecken offenbart allerhöchste Ingenieurskunst, da der Wasserstrahl nur auf den Rand des Beckens trifft.

Einziger ernsthafter Kritikpunkt bleiben die nervigen Boxentürme zu beiden Seiten der Bühne, die viel Sicht nehmen. Leider dürfte aufgrund der kleinen Fläche und niedrigen Deckenhöhe eine andere Lösung nicht möglich sein. Wen die Sicht jedoch stört, kann sich schnell ins Getümmel stürzen und den Abend im Pulk bei voller Sicht genießen.

Alles zusammen ein wirklich sympathischer Laden, der obendrein auch noch kostenlos Earplugs ausgelegt hat (was für mich auch wirklich notwendig war!).

Capsize

Was soll ich über Capsize schreiben? Viel fällt mir tatsächlich nicht ein, da ich zuvor auch nichts von den Jungs gehört hatte. Also einmal in Kürze: Fuck, sind die geil!

Wir nehmen sämtliche Hardcorebands, die Anfang der 2000er beliebt waren, rühren einmal ordentlich um und geben eine kräftige Prise 2016 hinzu. Tadaa! Capsize.

Die Jungs feuern eine Show ab, die bei höherem Bekanntheitsgrad nur noch krasser werden dürfte! Mit viel Energie, rohen Shoutings und angenehmen Clear Vocals zum Verschnaufen und Genießen rissen sie das junge Publikum mit Leichtigkeit mit.

Sänger Daniel Wand gab wirklich alles und kam am Ende des Gigs vollkommen nassgeschwitzt von der Bühne. Er brüllte aus Leibeskräften, bei hochrotem Kopf. Seine Mimik spiegelte die Texte wieder und man fand ihn stets ganz vorne bei den Fans.

Genau so stelle ich mir auch die ersten, kleinen Gigs von Bands wie Bring Me The Horizon vor. Ein kollektives „Gasgeben“ mit dem Publikum, bis nichts mehr geht und man vollkommen erledigt von der Bühne geht.

Anschließend fand sich Daniel am Merchstand ein und stand gerne Rede und Antwort. Hier zeigte er seine andere Seite. Sehr still, unheimlich sympathisch und absolut ausgeglichen.Verdächtig hierbei jedoch das mit Edding bemalte Pappschild „will trade merch for weed“. Kausalzusammenhänge waren jedoch nicht nachzuweisen.

Auf meine Frage, ob die Jungs in ihrem Heimatland (San Diego, Kalifornien, USA) bereits Berühmtheit erlangt hätten, antwortete er: „We’re not famous anywhere.“
Extrem schade und unverständlich nach dem, was ich an diesem Abend erlebt habe. Doch ich bin mir sicher, dass Capsize ihren Weg noch gehen werden – und der führt bergauf!

Macht euch doch einmal selbst einen Eindruck von der Band im Video zur Single „Tear Me Apart“. Wenn euch gefällt, was ihr hört, findet ihr das Album hier.

Mehr Informationen zur Band gibts auf Facebook oder der Homepage bei Equal Visions.

Schreibt mir in den Kommentaren eure Meinung. Seid ihr ebenso begeistert oder ist das nur eine weitere Hardcoreband?

Burning Down Alaska

Nach kurzer Umbaupause und Souncheck kamen dann die fünf Jungs aus Recklinghausen auf die Bühne. Die Meute war, wie erwähnt, bereits gut aufgeheizt worden und so viel eine Phase des klassischen „Abwartens und Abtastens“ komplett weg.

Als würden sie schon seit Jahren durch die Clubs in Deutschland touren, präsentierten sich „BDA“ absolut souverän. Der Sound war perfekt abgemischt, sodass keine Nouance der feingespielten Gitarren und raffinierten Soli untergingen. Das Schlagzeug zwängte sich nicht in den Vordergrund, was gerade bei kleinen Gigs wie diesem schnell hätte passieren können.

Wie wichtig diese Abmischung ist, dürfte jedem klar sein, der bereits in die Band reingehört hat. Laut Hompage definiert sich die gespielte Musikrichtung als „New Wave Hardcore“. Somit also perfekter Mittler zwischen Capsize und Being As An Ocean. Und auch die Songs sind derart zu beschreiben, wenn man es einfach halten will.

Vielschichtig gespielte Gitarren bringen sowohl Härte, als auch Melodik. Das Schlagzeug wird technisch ausgereift auf den Punkt gespielt. Mal donnernd oder treibend, dann wieder stimmungsvoll akzentuiert. Gleiche Mischung bringen die Vocals, die einerseits aus kräftigen Shoutings bestehen und andererseits mit gefühlvollem Gesang aufwarten.

Die Härte übernimmt hierbei Sänger Tobias Rische, für den melodischen Teil sorgt Kassim Auale. Diese Arbeitsteilung funktioniert blendend. Tobias kümmert sich mit seinen kraftvollen Shoutings um die Pits, springt sogar selbst in die Menge und heizt an. Kassim wiederum sorgt mit seinem gefühlvollen Gesang für Gänsehaut, der gerade live derart gut klingt, dass es gegenüber gestandenen Metalbands fast frech ist.

Solltet ihr bisher noch nichts von Burning Down Alaska gehört haben, wird es dringend Zeit! Zieht euch „Blossom“ rein und lasst euch überzeugen.

Die EP „Values & Virtuos“ könnte ihr über die Homepage erwerben. Hier findet ihr weiteres Merch, Tourdates, sowie alle bisher veröffentlichten Musikvideos auf YouTube.

Bereits begeistert? Dann folgt Ihnen auf Facebook und bleibt immer top informiert.

Was haltet ihr von der Band? Habt ihr die Jungs vielleicht schon mal live gesehen? Lasst mir gerne eure Meinung in den Kommentaren da.

Being As An Ocean

Den Sack machten dann „BAAO“ zu. Sehr untypisch für Metalkonzerte spielte diesmal die „ruhigste“ Band des Abends zum Schluss. Wer bereits etwas von der fünfköpfigen Musikkapelle aus Kalifornien gehört hat, dürfte über meine Aussage verwundert sein. Wer sich mit ihr beschäftigt hat, weniger.

Denn selbstverständlich sorgen die Shoutings von Joel Quartuccio für jede Menge Unruhe. Auch Schlagzeug und Gitarre hauen oft genug ordentlich rein und lassen mich so aufgrund des oberen Absatzes kurz wie einen Idioten aussehen. Allerdings sind es die selben Instrumente, die dem Hörer die Texte unter die Haut treiben.

Denn im Allgemeinen ist die Struktur eines Being As An Ocean Songs wie folgt: Sehr rohe Shoutings von Joel, zu denen im Kontrast auffällig melodische Gitarren spielen, die nur hier und da mal ausbrechen. Im Refrain wird dann gerne nochmal eine Stufe runtergeschaltet, wie z.B. in „OK“. Hier trifft noch mehr Melodik auf intensive Clear Vocals von Rythmusgitarrist Michael McGough.

So kann man sich beim Hören der Lieder entscheiden, ob man entweder den Lyrics und Vocals entsprechend die Energie aufsaugt oder mehr Gitarre und Schlagzeug auf sich wirken lässt.

Bis auf einen kleinen Abstecher in den Circle Pit bei Burning Down Alaska, hielt ich mich etwas Abseits, seitlich der Bühne auf. Ich hatte mich an die Wand angelehnt, die Augen immer mal wieder geschlossen und sog die herbeiersehnte, einzigartige Atmosphäre auf. Für mich persönlich war es absolut entspannend. Als ich den Laden verließ, fühlte ich mich so ausgeglichen wie seit Rock am Ring nicht mehr.

Aber ich war nur einer von wenigen. Denn während ich meine Extratour fuhr, verschwanden meine Freunde in der Menge. Der Pit schien nur zwischen den Liedern und extrem ruhigen Parts zu pausieren. Die Band brannte ein energetisches Feuerwerk ab – insbesondere der Drummer. Irgendwann gegen Ende sah man vor der Bühne nur noch Crowdsurfer, die es aufgrund der bereits erwähnten niedrigen Deckhöhe dann doch etwas schwer hatten. Kurz: Der Saal brannte und alle waren zufrieden.

Am Ende gab es natürlich noch eine Zugabe. Leider wirklich nur eine, die auch noch nur ein Lied umfasste. Vielleicht bin ich durch die letzten Konzerte etwas verwöhnt, doch zwei hätten es ruhig sein dürfen.  Sozusagen zum Ausgleich stürmten dafür Tobias und Kassim nochmal die Bühne, sodass am Ende Support und Headliner zusammen die Horde ein letztes Mal ausrasten ließen.

Wer jetzt neugierig ist und noch nichts von der Band gehört hat oder aber wer nochmal an das eigene Konzerterlebnis zurückdenken möchte, kann sich nachfolgend nochmal „Dissolve“ reinziehen.

Wollt ihr auf dem Laufenden bleiben? Dann findet ihr Being As An Ocean auf Facebook. Solltet ihr jedoch auf der Suche nach Merch sein, werdet ihr bei Impericon fündig. Hier gibt es neben CDs und Shirts derzeit sogar einen „X-Mas Sweater“! Also schaut ruhig mal rein.

Wart ihr schonmal auf einem „BAAO“-Konzert? Und was haltet ihr von der „Spoken Word / Harcore“-Mischung? Schreibt mir eure Gedanken gerne unten in die Kommentare.

Fazit

Alleine die Qualität der Bands an diesem Abend lässt mich schreiben, dass ich zu wenig bezahlt habe! Das wären mir auch gut und gerne 45€ wert gewesen – zumal zusätzlich eigentlich noch „Casey“ als erste Band spielen sollten, die aber leider im Stau stecken geblieben waren.

Wohin man auch sah, erblickte man glückliche Gesichter. Auffällig, dass die meisten davon weit jünger waren als ich. Nach kurzem überlegen stellte ich hierzu folgende Hypothese auf: Die Texte der Bands handeln z.B. davon, sich ausgegrenzt zu fühlen, verletzt und weder geliebt, noch beachtet.
Alles Probleme, mit denen wir in jungen Jahren konfrontiert werden und erst lernen, damit umzugehen. Um so wichtiger, dass Joel Quartuccio vor Konzertende noch einmal betonte, wie wertvoll jeder einzelne Konzertbesucher sei. Das sie geliebt würden und niemals aufgeben dürften.

Eine Jugend, die nicht weiß wohin, sich aber in der Musik wiederfindet und an diesem Abend, diese Ansage mit nach Hause nimmt – erzählt mir was ihr wollt, aber wir wissen doch, wie wertvoll das ist. Wie diese kleinen Worte unseres Idols uns soviel Kraft schenken, dass wir bis zum nächsten Konzert durchhalten. Wie wir uns im Pit komplett verausgaben können, bis wir kurz vor dem Zusammenbrechen sind, aufblicken und das ausgelassene Grinsen unseres Gegenübers, dessen Blick wir kreuzen, einfach nur erwiedern können. Wie wir uns unter den vielen, die mit uns die Texte den Musikern entgegenbrüllen, endlich verstanden fühlen.

Diese Konzerte sind es, die für mich immer den Unterschied ausgemacht haben. Zu sehen, dass auch die nächste Generation von Metalheads diesen Weg geht macht mich glücklich. Denn jeder einzelne von ihnen, das weiß ich aus meiner Erfahrung heraus, hat die Kraft durchzuhalten. Auch – und gerade – mit der Musik im Rücken.

Mein Fazit zum Konzert? Qualitativ jede einzelne Band derart hochwertig, dass nur wenige mithalten können. In Text und Präsentation absolut menschlich, statt abgehoben und fern vom Publikum. Dabei preislich so angesetzt, dass gerade die jungen Fans sich eine Karte garantiert leisten können.

Mein Fazit also zum Konzert? Danke Jungs, wir sehen uns wieder!

Be First to Comment

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *