Skip to content

Review: Dogtown Winos – The Price Is Your Soul

Zum Namen

Übersetzt heißt „Wino“ in etwa „Säufer“. Googelt man jedoch die Definition, spuckt das Urban Dictionary folgendes aus: „someone who props up walls in the street, drinking an unidentifiable drink (it needn’t be wine, could also be spirits, special brew, buckfast or lighter fluid) out of a paper bag whilst swearing incoherently and dribbling.“

Zu gut Deutsch: Ein „Wino“ ist also ein Alkoholiker, meist obdachlos, der öffentlich Alkohol, in Papiertüten eingeschlagen, zu sich nimmt und dabei sabbert.

Dogtown war im Ursprung mal „Downtown“. Schlagzeuger Kevin verwechselte jedoch den ähnlichen Markennamen regelmäßig mit dem eigentlichen, bis sich der Fehler durchsetzte.

Winos live

Zur Band

Das Quartett aus Ostwestfalen-Lippe existiert in dieser Form seit 2014.

Norbert ist eindeutiger Frontmann. Mit ruppigem Gesang und exzentrischen Gitarrensolos versteht er es, das Publikum mitzureißen. Max unterstützt hierbei tatkräftig an der zweiten Gitarre, wobei auch gerne mal die lange Mähne im Kreis geschwungen wird. Ben am Bass, sowie Kevin am Schlagzeug übernehmen gleichzeitig die Backing Vocals und geben hier gerade live dem Gesang mehr Fülle.

Bemerkenswert ist an den Winos jedoch insbesondere, wieviel Eigenregie die Vier in dieses Projekt stecken. So wurde aus einem verschimmelten, ungenutzten Industrieraum über einer Schreinerei ein gemütlicher Proberaum. Mit viel Zeit, Geld und Hingabe wurde außerdem ein eigenes, kleines Studio angeschlossen.

Hier wurden bereits einige Songs des am 23.07.2017 erschienenen Albums The Price Is Your Soul aufgenommen. Unterstützung erhielt die Band außerdem von vielen Beteiligten. So zum Beispiel von dem Label Timezone Records, welches sich um den Vertrieb kümmert. Insbesondere zu erwähnen ist auch Jan Hendrik Te Kaat. Weil er an die Band glaubt, hat er kurzerhand das Mastering der CD kostenfrei übernommen.

Und das war aufgrund der an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten der Winos aufgenommenen Songs auch nicht sehr leicht. Umso größer das Lob von mir an dieser Stelle! Den Unterschied hört der gemeine Musikliebhaber nicht heraus.

Das Netzwerk der Winos, es funktioniert und strickt sich immer weiter! Auf der Release Party zum neuen Tonträger war dies überdeutlich. So gab es zum Beispiel einige Gastauftritte von befreundeten Musikern, waren lokale Blogger ebenso anwesend wie Moderatoren von Internetradios.

Für die nächsten Monate sind bereits einige, sehr spannende Projekte geplant. Es lohnt sich also, Augen und Ohren offen zu halten!

Winos 2

Das Album

Aber was machen die Jungs denn nun für Musik? Selbst benennen sie ihren Stil als High-Energy-Rock. Wollte man es etwas definitiver haben, würde ich es als Blues-Punk bezeichnen.

Durch das gesamte Album hindurch wechseln sich immer wieder klassische Blues Passagen mit Punk Rock Ausbrüchen ab. Besonders deutlich in Ain’t Gettin‘ Better, bei welchem mich der Refrain in seiner Art stark an Punkrock Song von Bad Religion erinnert.

Into The Fire wiederum startet direkt mit einem klassischen „Kopfnicker-Beat“, der durch einfache Chords von der Gitarre aufgegriffen wird. Spätestens wenn Norbert das zweite Mal den Schlachtruf „into the fire“ ansetzt, kann man bereits lauthals mitsingen.

Das macht natürlich Laune und zeichnet die Dogtown Winos aus. Statt komplizierten, progressiven Melodien und raffinierten, technischen Frickeleien, besinnt man sich besonders auf ehrlichen Rock. Spaß soll es machen und der Pöbel soll tanzen und trinken und mitgröhlen!

Dennoch gibt es auch Platz für ruhige, ehrliche Songs auf der CD. In Black Rain zeigt Sänger Norbert dann auch, dass er genau weiß, wie er seine Stimme einzusetzen hat. Aus lautstarkem Gesang bricht hier und da ein sanftes Vibrato hervor und überrascht den Hörer.

Interessant ist auch, dass die Aufnahme des Liedes immer wieder unterbrochen werden musste. Was in Beartooths Sick & Disgusting für alle zu hören ist und somit jedes Wort unter die Haut brennt, haben die Winos aus der Aufnahme genommen. Schade, meint der Voyeur in mir. Nicht schlimm, sagt die Gänsehaut, die mir beim Hören trotzdem über die Arme kriecht.

Noch mehr Abwechslung bringen die letzten beiden Stücke von The Price Is Your Soul ins Spiel.

Baby, ich hab deinen Bauch gesehen ist eine spaßige Ode an alle wunderschönen Bäuche, in ihrer Hülle und Fülle. Als einziger deutschsprachiger Song nimmt er sich selbst nicht ganz so ernst und wechselt sowohl Sprache, Takt wie auch Stil in seiner Spielzeit.

Das heimliche Glanzstück bleibt für mich jedoch eindeutig der Bonustrack Long Hard Road. Hier wurde als einziges mit technischen Effekten gespielt und so nochmal ein anderer Sound erzeugt. Das Lied ist so eingängig, dass es mir beim Aufwachen bereits als Ohrwurm im Kopf spielte.
Ich versuche auch die ganze Zeit zu entschlüsseln, woran mich der Sound erinnert – bisher jedoch erfolglos. Ich vermute inzwischen, dass es aus meinen sehr jungen Jahren stammt und ich es deshalb nicht zuordnen kann.
(Da es mich plagt, ein öffentlicher Aufruf! Bitte helft mir und hört euch den Song bei Spotify an. Schreibt mir dann eure Idee in die Kommentare. Ich muss es wissen!)

So sehr ich das Album auch mag, Platz für meine persönliche Kritik muss auch sein.

Beginnen wir damit, dass Fade Away zu lang ist. Der Track bewegt sich meines Erachtens zu sehr auf einer Ebene. Die sieben Minuten Spieldauer sorgen hier leider dafür, dass meine Konzentration abschweift.

Dann ist der Effekt auf Norberts Stimme in Long Hard Road zu Beginn des Zwischenspiels ein wenig zu heftig und lässt seinen Gesang dadurch etwas neben der Spur erscheinen.
Des Weiteren ist der Fade Out deutlich zu hart. Ein sanfterer, langsam ausblendender Effekt hätte dafür gesorgt, dass der Song auch nach Spielende noch im Kopf weiterläuft. Diese Chance wurde leider verpasst.

Zuletzt hätte ich mir gewünscht, Norbert einmal ganz klar singen zu hören. Vielleicht bekomme ich die Gelegenheit ja auf dem Nachfolger.

Aber ganz ehrlich: Für ein Album, dass zuerst nur eine EP sein sollte und teilweise in Eigenproduktion, mit geringen Mitteln aufgenommen wurde, ist das Ergebnis großartig! Meine Kritik ist im Kontext also bereits Jammern auf hohem Niveau.

Fazit

Wer ehrlichen Rock mag, ist bei den Dogtown Winos genau richtig! Das Album wird für mich, als Metal-Fan, zwar eines dieser „jetzt-bin-ich-in-der-Stimmung-dafür“-Dinger, hat mir jedoch direkt Lust auf die Live Variante gemacht.

Und hier sehe ich die eigentliche Stärke der Platte. Man will es live hören. Will, mit einem Bier in der Hand den Kopf zur Musik nicken und den Takt mit dem Fuß mitklopfen. Will den Lieblingssong mit dem besten Kumpel im Arm mitgröhlen, um sich anschließend ausgelassen zuzuprosten.

Ihr dürft das ruhig als Versprechen sehen, denn genau das liefern euch die vier „Lipper“. Zusammen mit jeder Menge Spielfreude und noch mehr spontanen Gitarrensolos. Zu kaufen gibt’s die Platte unter anderem bei Amazon.

In nächster Zeit stehen einige Tour Dates auf dem Programm. Schaut doch mal hier, ob sie auch in eure Nähe kommen!

Eine Hörprobe gibt es wie immer nachfolgend. Lasst euch nur gesagt sein, dass es sich meiner Meinung nach nicht um die stärkste Single des Albums handelt. Also lieber gleich die Platte kaufen! 😉

Be First to Comment

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *